Die Geschichte der Stadt Neustadt (Hessen)

Das Gebiet um die heutige Stadt Neustadt ist nachweisbar schon einige tausend Jahre vor Chr. besiedelt worden. Allerdings liegen hierzu bisher keine konkreten Forschungsergebnisse vor.
Neustadt wurde um 1250 von den Grafen Nidda aus Ziegenhain gegründet. Der Ort wurde in einer Urkunde des Klosters Haina vom 9.2.1261 erstmals nachweislich erwähnt.

Erste Befestigungsanlagen der Stadt Neustadt mit Stadtmauer, Stadttoren  und Stadtgraben lassen sich auch bis ins Ende des 13. Jahrhunderts zurückverfolgen. In dieser Zeit ist auch die erste Pfarrkirche entstanden. Sie war damals Johannes dem Täufer geweiht. Später in 1502 wurde auf deren Grundmauern die heutige katholische Kirche St.Trinitatis (heilige Dreifaltigkeit) erbaut.

Bedingt durch die hessisch-mainzerische Territorialpolitik stand die Stadt Neustadt zu Beginn des 15. Jahrhunderts öfters im Mittelpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen. Angriffe auf die Stadt und mehrfache Belagerungen waren im Zeitraum 1462-1477 unvermeidlich.

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Der Junker-Hansen-Turm , das Wahrzeichen von Neustadt (Hessen)

Ab 1477 wurde Hans von Dörnberg, der mächtige Hofmeister der Landgrafen von Hessen alleiniger Herrscher der Stadt. In diese Zeit fällt auch der Bau des von Dörnberg`schen Schlosses, das im Jahr 1480 vom Baumeister Hans Jakob  von Ettlingen dort auf Basis der ehemaligen Burganlage errichtet wurde. Seit 1952 befindet sich dort das neue Rathaus der Stadt.

Im Zusammenhang mit der Neubefestigung der Burganlage wurde in 1480 auch der nach seinem Besitzer benannte Junker-Hansen-Turm erstellt. Dieser imposante Rundbau wurde vom gleichen Baumeister Hans Jakob von Ettlingen gebaut. Er ist bis heute der größte Fachwerkrundbau Europas und  das Wahrzeichen der Stadt Neustadt.

Weitere Bauten, die in den späterer Zeit das Bild von Neustadt prägten waren die ehemalige Hof-anlage der von Nordeck zu Rabenau in der heutigen Rittersaße hinter der Kirche, die in 1969/70 wegen Baufälligkeit abgerissen werden mußte, der Burgmannensitz der Familie von Linsingen, das heutige Pfarrhaus der katholischen Kirche in der Ritterstraße, sowie der ehemalige Burgsitz des Reinhard Schenck zu Schweinsberg aus 1545in der heutigen Ritterstraße, der später an die Familie von Schwertzel aus Willingshausen verkauft wurde und in dem später die  barmherzigen Schwestern zu Fulda ein Altersheim, das sog. Schwesternhaus untergebracht haben.
Nicht zu vergessen ist das alte Rathaus am Marktplatz, das bis heute noch durch sein Fachwerk besticht.

Die organisatorische Einordnung der Stadt Neustadt

In den Zeiten der Reformation (1527) und anschließenden Gegenreformation (1597) durchlebte Neustadt viele unruhige Zeiten. Eine grundlegende Neuorientierung wurde dann mit dem Auftreten von Napoleon eingeleitet. Die fast 500 jährige Mainzer Herrschaft wurde beendet und Neustadt wurde dem Königreich Westfalen zugeschlagen.
In der folgenden Graphik sind die politischen Verpflechtungen und Zuordnungen von Neustadt über die Zeit dargestellt. Diese Graphik wurde aus dem geschichtlichen Ortsverzeichnis GOV in Genealogy.net des Vereins für Computergenealogie e.V. (CompGen) übernommen. 

Die Abbildung zeigt am unteren Ende die Stadt Neustadt mit ihren drei in 1974 zu einer Verwaltungseinheit zusammengeschlossenen Stadtteilen Momberg, Speckswinkel und Mengsberg.

Organisatorische Zuordnung von Neustadt - Quelle: GOV in CompGen Genealogy.net

Neustadt gehört seit 1932 zum Landkreis Marburg im Regierungsbezirk Kassel. Der Landkreis wurde 1974 zum Landkreis Marburg-Biedenkopf erweitert. Der Regierungsbezirk Kassel ist seit 1945 Bestandteil des Bundeslands Hessen und damit der Bundesrepublik Deutschland.
Vorher war der Regierungsbezirk Kassel der Provinz Hessen-Nassau und der Provinz Kurhessen im Freistaat Preußen zugeordnet.

In der Zeit vor 1931 war die Stadt Neustadt dem Kreis Kirchhain zugeordnet. Der Kreis Kirchhain gehörte zwischen 1821-1866 zur Provinz Kurhessen im Kurfürstentum Kurhessen und in 1867-1931 zum Regierungsbezirk Kassel.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Amt Neustadt bis 1803 dem Oberamt Amöneburg zugeordnet und im Kurfürstentum Kurmainz gebündelt. Danach von 1803-1814 war das Amt Neustadt dem Kurfürstentum Fritzlar zugeordnet, das zum Kurfürstentum Kurhessen gehörte.
Die beiden Kurfürstentümer Kurmainz und Kurhessen waren Teile des Staatenbundes „heiliges römisches Reich“.

Historische Landkarten von Neustadt und Umgebung

 Erste Ortspläne und Karten von Neustadt und Umgebung gehen zurück auf die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg.

Kupferstich von Eberhard Kieser von Neustadt etwa 1625 - Quelle: Nova Civitas, Magistrat der Stadt Neustadt, 2004

Der hier abgebildete Kupferstich zeigt eine historische Ortsansicht von Neustadt aus der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618-1648).  Als Urheber dieses Kupferstichs wird Eberhard Kieser (1623-1626) genannt. 

In dieser Perspektive ist die Stadt Neustadt von Süd-Westen in Richtung der Nellenburg zu sehen. Die Umgebung der Stadt wird als hügelige Landschaft dargestellt.
Es fallen neben dem Junker-Hansen-Turm und der katholischen Kirche St.Trinitatis die zwei weitere Türme auf. Sie standen an der Stadtmauer neben dem „Momberger Tor“ und neben dem „Alsfelder Tor“ und flankierten die beiden Eingangstore zur Kernstadt.
Außerhalb der Stadtmauer vor den beiden Toren gab es kaum Bebauungen.

In den Jahren 1670-1695 wurde im Auftrag des Mainzer Erzbischofs Anselm Franziskus das ganze Kurfürstentum von Nikolaus Person (1648-1710) aus Mainz in einem Atlas dargestellt, wobei sich dieser auf die einige Jahre zuvor angefertigten sehr genauen Karten des Geometers Johann Peter Gessner abstützte. Aus dieser Zeit stammt auch der dargestellte Kupferstich von Johann Peter Gessner.
Genaue Karten sind auch aus der Zeit des 7-jährigen Kriegs (1756-1763)  überliefert, wo sich das französische Corps unter General von Glaubitz heftige Kämpfe gegen die Alliierten im Umfeld von Neustadt lieferte.  

Das Amt Neustadt - Kupferstich von Nikolaus Person - Quelle: Nova Civitas, der Magistrat der Stadt Neustadt, 2004
Karte von Neustadt und Umgebung des franz. Corps von General v. Glaubitz aus dem 7-jährigen Krieg (1756-1763) - Quelle: Nova Civitas, Magistrat der Stadt Neustadt, 2004
Historische Karte von Neustadt aus 1846 von Johannes Burhenne - Quelle Hessisches Landesarchiv Marburg/Lahn

Diese historische Karte der Stadt Neustadt von Johannes Burhenne stammt aus dem Jahr 1846. Er hat als Landmesser diese Karte im Auftrag der kurfürstlichen Finanzdirektion Kassel auf Basis seiner ersten Liegenschaftskarten aus 1807-1812 gefertigt.
Man erkennt die damalige ringförmige Anlage der Neustädter Kernstadt mit dem Marktplatz und der katholischen Kirche sowie dem Schloss mit Junker-Hansen-Turm . Die Längsachse bildet die die Marktstraße vom Alsfelder Tor im Nord-Osten zum Momberger Tor im Süd-Westen. Die ringförmige Kernstadt war umgeben von der Stadtmauer und dem Stadtgraben mit Wasser von Icht und Wiera sowie einer Grünzone. Die innere halbrunde Straße ist die Krummegasse (heutige Bogenstraße) . Die äußere halbrunde Straße außerhalb von Stadtmauer und Stadtgraben ist die heutige Ringstraße
Im Nord-Osten gab es nur eine geringe Bebauung vor dem Alsfelder Tor in Richtung Niederklein und Wiera.
Im Süd-Westen lag die Bebauung vor dem Momberger Tor in Richtung Momberg (heutige Ringstaße und Lehmkaute) und ein paar Häuser in Richtung Allendorf (heutige Marburger Straße).

Fotogallerie und Videos

Hier für Interessierte einige neuere Ansichten von Neustadt und ein paar Links zu schönen Videos auf YouTube 

Junker-Hansen-Turm – Zweite Renovierung des Wahrzeichens von Neustadt in 2019 nach  der Erstsanierung in 1998
Quelle: YouTube, SILIUSvonDIENHEIM,  HR-Fernsehen 2019

Junker-Hansen-Turm –  Zweite Renovierung des Wahrzeichens von Neustadt in 2019  – Drohnenflug
Quelle: YouTube, SILIUSvonDIENHEIM,  HR-Fernsehen 

Altes katholisches Pfarrhaus – Auszug aus „Herrliches Hessen rechts und links der Schwalm vom 28.November 2020“
Quelle: YouTube, SILIUSvonDIENHEIM,  HR-Fernsehen 2020

Glocken von St.Trinitatis – Die Glocken der katholischen Kirche St. Trinitatis, in Neustadt, Pfingsten 2012
Quelle: YouTube, SILIUSvonDIENHEIM